Spin lesen lernen – wie ich ein Problem in fünf Tagen gelöst habe
Es gibt Dinge beim Tischtennis die man nicht erklären kann, bis man sie versteht. Spin lesen war für mich so ein Ding.
Als Linkshänder hatte ich dreißig Jahre lang ein instinktives Gefühl dafür. Nicht bewusst – einfach da. Als ich mit rechts angefangen habe, war dieses Gefühl weg. Komplett. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Der Ball kam. Ich sah ihn. Ich schlug. Er ging wohin er wollte – nicht wohin ich wollte.
Fünf Tage intensives Training haben das geändert. Hier ist was ich gelernt habe.
Das Problem ist nicht der Ball – es ist die Schlägerbewegung.
Spin entsteht nicht am Ball, er ist am Ball. Wo er entsteht ist am Schläger des Gegners – in dem Moment des Kontakts, in der Richtung der Bewegung. Wenn ich das lerne zu sehen, weiß ich was kommt bevor der Ball bei mir ankommt.
Drei Dinge beobachten:
Erstens: die Schlägerbewegung. Geht der Schläger von unten nach oben → Topspin. Von oben nach unten → Unterschnitt. Seitlich → Seitschnitt. Das ist die Grundinformation.
Zweitens: das Ball-Etikett. Wenn der Ball rotiert, dreht sich das Etikett. Die Richtung der Etiketten-Rotation zeigt die Spinrichtung. Das klingt verrückt – aber es funktioniert. Man braucht ein paar Stunden bis das Auge trainiert ist.
Drittens: der erste Kontakt. Wie springt der Ball vom Tisch ab? Unterschnitt springt flach und bremst. Topspin springt hoch und beschleunigt. Das ist die Bestätigung.
Wie das Training aussah:
Ich habe fünf Tage lang mit meinem Roboter (Robo Pong 2050) gearbeitet. Jeden Tag zwei Stunden. Ich habe den Roboter auf einen einzigen Spintyp eingestellt – z.B. nur Unterschnitt – und mich ausschließlich auf das Lesen konzentriert. Nicht auf das Zurückspielen. Nur lesen.
Dann habe ich gewechselt. Topspin. Dann Seitschnitt. Dann gemischt.
Am fünften Tag ist etwas geklickt. Ich wusste was kommt bevor der Ball die Hälfte der Tischstrecke zurückgelegt hatte.
Das Gefühl ist nicht dasselbe wie links. Aber es ist wieder ein Gefühl – kein Raten mehr.
Was ich jedem empfehle der das gleiche Problem hat:
Trenne das Lesen vom Schlagen. Solange du versuchst beides gleichzeitig zu verbessern, lernst du beides halb. Erst lesen. Dann schlagen. Das dauert länger, aber es sitzt.
Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!