Wie Riverside Pingpong entstanden ist – eine Geschichte über Zufälle

Es gibt im Stadtpark Fürth ein paar Tischtennistische. Draußen, unter freiem Himmel, keine Anmeldung, kein Eintritt. Man bringt einen Schläger mit und spielt.

Ich habe das irgendwann angefangen. Allein, anfangs. Mit einem alten Schläger, schlechtem Wetter und keinem Plan.

Dann kam jemand vorbei und fragte ob er mitspielen darf.

Das war der Anfang von Riverside Pingpong. Nicht geplant. Nicht organisiert. Einfach passiert.

Was aus einem Zufalls-Match wurde:

Aus dem ersten Zufalls-Mitspieler wurde ein Stammgast. Dann kamen zwei, drei andere dazu. Irgendwann tauchte jemand auf der seit zwanzig Jahren nicht mehr gespielt hatte – und spielte einfach mit. Dann ein Bundesliga-Trainer, der im Park spazieren ging. Dann ein Landesliga-Spieler. Dann ein Kind mit einem Plastikschläger vom Flohmarkt.

Riverside Pingpong ist kein Verein. Es gibt keine Hierarchie, keine Anmeldung, keinen Mitgliedsbeitrag. Es gibt Tische im Park, Schläger und Lust auf das Spiel.

Was ich dabei gelernt habe:

Tischtennis im Freien ist ein anderes Spiel. Der Wind verändert den Ball. Die Sonne blendet. Die Tische sind nicht genormt. Man muss sich anpassen – ständig, spontan, ohne Netz (manchmal auch buchstäblich ohne Netz).

Das macht etwas mit dem Spiel. Man wird flexibler. Man hört auf an perfekte Bedingungen zu denken. Man spielt mit dem was da ist.

Und man begegnet Menschen die man sonst nie treffen würde. Der Bundesliga-Trainer hat mir an einem Dienstagvormittag mehr über Beinarbeit beigebracht als drei Monate Roboter-Training. Nicht weil er es wollte – einfach weil wir gespielt haben und er gesagt hat was er sah.

Was Riverside Pingpong ist:

Kein Event. Keine Community mit Hashtag und Newsletter. Einfach ein Ort, ein Zeitfenster, ein paar Tische.

Wenn die Sonne scheint und der Wind nicht zu stark ist, bin ich da. Wer mitspielen will, spielt mit. Das war immer die ganze Idee.

Auf diesem Blog werde ich über einzelne Begegnungen, besondere Spiele und alles schreiben was im Stadtpark passiert. Denn manchmal passiert dort mehr als in der Halle.

Warum das Nittaku Acoustic Carbon Outer – und warum nicht das Nationalteam-Holz

Ich habe einmal ein Holz bekommen, das eigentlich für Nationalspieler gemacht ist. Ein Geschenk. Teuer, renommiert, das Beste was man bekommen kann.

Es war das Schlechteste was mir hätte passieren können.

Nicht weil das Holz schlecht war. Sondern weil ich noch nicht gut genug war um es zu kontrollieren. Das ist der Unterschied zwischen teurem Equipment und richtigem Equipment – und den habe ich auf die harte Tour gelernt.

Was ich vorher hatte:

Mein erstes Shakehand-Setup als Rechtshänder war ein Stiga Allround Classic. Ein All-Holz, sieben Lagen, kein Carbon. Langsam, kontrollierbar, fehlerverzeihend. Für jemanden der von Null anfängt – mit dreißig Jahren Linkshänder-Reflexen im Körper – war das die richtige Wahl.

Ich habe damit begonnen Topspin zu entwickeln. Blockieren. Die Rückhand zu stabilisieren. Alles mit diesem langsamen, gutmütigen Holz.

Warum ich gewechselt habe:

Irgendwann merkt man, dass das Holz einen bremst. Nicht weil es schlecht ist – sondern weil man besser geworden ist. Der Ball kommt zurück, aber ohne Druck. Der Gegner hat Zeit. Man verliert Punkte nicht wegen Fehlern, sondern wegen fehlender Geschwindigkeit.

Das war mein Signal.

Warum das Nittaku Acoustic Carbon Outer G-Revision:

Drei Gründe.

Erstens: Outer Carbon. Das Carbon liegt außen – direkt unter der Deckschicht. Das gibt Direktheit und Geschwindigkeit, aber nicht das brutale Katapultgefühl eines Inner-Carbon. Man spürt den Ball noch. Man hat noch Kontrolle.

Zweitens: Acoustic. Nittaku verbaut im Kern ein spezielles Holz das Vibrationen dämpft. Das Feedback ist klarer. Man hört und spürt ob ein Ball gut getroffen ist oder nicht. Für jemanden der gerade umlernt ist das wertvoll.

Drittens: G-Revision Griff. Größer, ovaler. Ich bin 196 cm. Meine Hände sind entsprechend. Der Standard-Griff der meisten Hölzer ist zu klein – ich halte den Schläger anders, die Spannung ist falsch, die Schläge werden ungenau. Der G-Revision Griff passt.

Was ich nicht gemacht habe:

Die Beläge gleichzeitig gewechselt. Das ist der häufigste Fehler beim Equipment-Upgrade. Man wechselt Holz und Belag auf einmal und weiß danach nicht mehr was sich verändert hat. Ich habe meine Fastarc G-1 und Moristo SP behalten – nur das Holz ist neu. So weiß ich genau was das Carbon macht.

Was ich gelernt habe:

Teuer ist nicht richtig. Richtig ist das was zur aktuellen Technik passt. Das Nationalteam-Holz war für jemanden gemacht der seit zwanzig Jahren täglich trainiert. Nicht für jemanden der gerade mit rechts anfängt.

Wenn du dein Equipment upgradest: ein Schritt nach dem anderen. Und immer fragen – bin ich gut genug für dieses Material? Nicht: kann ich es mir leisten?

Spin lesen lernen – wie ich ein Problem in fünf Tagen gelöst habe

Es gibt Dinge beim Tischtennis die man nicht erklären kann, bis man sie versteht. Spin lesen war für mich so ein Ding.

Als Linkshänder hatte ich dreißig Jahre lang ein instinktives Gefühl dafür. Nicht bewusst – einfach da. Als ich mit rechts angefangen habe, war dieses Gefühl weg. Komplett. Als hätte jemand einen Schalter umgelegt.

Der Ball kam. Ich sah ihn. Ich schlug. Er ging wohin er wollte – nicht wohin ich wollte.

Fünf Tage intensives Training haben das geändert. Hier ist was ich gelernt habe.

Das Problem ist nicht der Ball – es ist die Schlägerbewegung.

Spin entsteht nicht am Ball, er ist am Ball. Wo er entsteht ist am Schläger des Gegners – in dem Moment des Kontakts, in der Richtung der Bewegung. Wenn ich das lerne zu sehen, weiß ich was kommt bevor der Ball bei mir ankommt.

Drei Dinge beobachten:

Erstens: die Schlägerbewegung. Geht der Schläger von unten nach oben → Topspin. Von oben nach unten → Unterschnitt. Seitlich → Seitschnitt. Das ist die Grundinformation.

Zweitens: das Ball-Etikett. Wenn der Ball rotiert, dreht sich das Etikett. Die Richtung der Etiketten-Rotation zeigt die Spinrichtung. Das klingt verrückt – aber es funktioniert. Man braucht ein paar Stunden bis das Auge trainiert ist.

Drittens: der erste Kontakt. Wie springt der Ball vom Tisch ab? Unterschnitt springt flach und bremst. Topspin springt hoch und beschleunigt. Das ist die Bestätigung.

Wie das Training aussah:

Ich habe fünf Tage lang mit meinem Roboter (Robo Pong 2050) gearbeitet. Jeden Tag zwei Stunden. Ich habe den Roboter auf einen einzigen Spintyp eingestellt – z.B. nur Unterschnitt – und mich ausschließlich auf das Lesen konzentriert. Nicht auf das Zurückspielen. Nur lesen.

Dann habe ich gewechselt. Topspin. Dann Seitschnitt. Dann gemischt.

Am fünften Tag ist etwas geklickt. Ich wusste was kommt bevor der Ball die Hälfte der Tischstrecke zurückgelegt hatte.

Das Gefühl ist nicht dasselbe wie links. Aber es ist wieder ein Gefühl – kein Raten mehr.

Was ich jedem empfehle der das gleiche Problem hat:

Trenne das Lesen vom Schlagen. Solange du versuchst beides gleichzeitig zu verbessern, lernst du beides halb. Erst lesen. Dann schlagen. Das dauert länger, aber es sitzt.

Warum ich nochmal von vorne anfange – mit der anderen Hand

Es gibt Momente, in denen man eine Entscheidung trifft, ohne sie wirklich zu treffen. Man macht einfach weiter – in eine neue Richtung, weil die alte nicht mehr geht.

Dreißig Jahre Tischtennis als Linkshänder. Dann zwei Schlaganfälle. Dann ein künstliches Handgelenk links. Und dann die Frage: Was jetzt?

Ich habe mir einen Schläger geholt und angefangen, mit rechts zu spielen.

Das klingt einfacher als es ist. Der Körper vergisst nichts. Dreißig Jahre Muskelgedächtnis sitzen in der linken Seite – in den Reflexen, in der Schulter, in dem Moment wo der Ball kommt und der Arm schon weiß was er tun soll. Nur dass dieser Arm jetzt nicht mehr der richtige ist.

Herbst 2025 bin ich der DJK Concordia Fürth beigetreten. Mitglied, aber noch kein Vereinstraining. Stattdessen: Hallenzugang rund um die Uhr, der Robo Pong, und die Freiheit meinen eigenen Rhythmus zu finden. Wenn ich mich sicher genug fühle, werde ich am Vereinstraining teilnehmen. Bis dahin baue ich still auf.

Die erste Einheit war ehrlich gesagt ein Desaster. Nicht weil ich nicht treffen konnte – sondern weil ich immer wieder erwischte wie ich zurück auf links wechselte, ohne es zu merken. Dreißig Jahre melden sich. Laut.

Aber dann passiert etwas Interessantes. Irgendwann – nicht beim ersten Training, nicht beim zweiten – fängt der rechte Arm an, Entscheidungen zu treffen. Kleine Korrekturen. Automatisch. Das Hirn fängt an umzuschreiben.

Das dauert. Aber es passiert.

Ich bin jetzt mehrere Monate dabei. Ich trainiere dreimal pro Woche mit dem Roboter, einmal mit meinem Trainingspartner Michael, regelmäßig im Stadtpark. Das Niveau? Noch weit von dem entfernt was ich links konnte. Aber das ist nicht der Punkt.

Der Punkt ist: ich spiele wieder.

Auf dieser Seite werde ich aufschreiben was ich lerne – über Technik, über Equipment, über Niederlagen und Durchbrüche. Ohne Filter. Wer eine Erfolgsgeschichte ohne Rückschläge sucht, ist hier falsch.

铁心追梦人.